nächtlicher Terror

Unter der Überschrift “Ein paar freundliche Worte” berichtet Rechtsanwalt Udo Vetter in seinem Law Blog über nächtlichen Terror durch Securityleute in einem städtischen Wohnheim. Dieser Beitrag erinnerte mich sehr an das zeitweise doch äußerst unschöne Verhalten gewisser Beamter des Nachtdienstes in der bayerischen JVA M.

Ich muss zunächst erklärend vorausschicken, dass unsere Therapieabteilung bei den meisten Bediensteten der JVA M. nicht sonderlich beliebt war. Diese Abneigung lag vermutlich in erster Linie den Delikten der dort untergebrachten Gefangenen zugrunde. Verständlich und menschlich, aber leider höchst unprofessionell, wie ich immer fand.

Aber nun zum eigentlichen Thema, dem nächtlichen Terror.

Es kam immer wieder wochenweise vor, dass wir Gefangene nachts drei- bis viermal plötzlich aus dem Schlaf gerissen wurden. Verantwortlich dafür waren die Beamten des Nachtdienstes, die in regelmäßigen Abständen selbstverständlich auch durch unsere Abteilung patrouillierten.

Nachdem sie den Gang an einem Ende durch die schwere Eisentüre betreten hatten, schmissen sie die Türe ganz bewusst heftig krachend ins Schloss: “Rummms!”. Stahl auf Stahl. Wenn sie anschließend über den Flur liefen, schlugen sie absichtlich mit ihren großen Zellenschlüsseln nacheinander gegen alle Haftraumtüren und/oder gegen die Tische, die dort direkt neben den Zellen standen. Es kam auch vor, dass Stühle, die mit den Sitzflächen nach unten (Stuhlbeine nach oben) auf den Tischen standen, von den Tischen geworfen wurden.

Den dadurch entstehenden Krach kann sich jedermann bestimmt gut vorstellen. Hatten die Beamten den Gang durchquert, öffneten sie die zweite schwere Eisentüre und schmetterten sie ebenso laut krachend ins Schloss wie beim Betreten.

Wie gesagt, dies war pure Absicht, drei- bis viermal pro Nacht, jeweils eine Woche lang. Von Beamten unserer Abteilung wusste ich, wie bzw. dass man diese Türen auch fast geräuschlos öffnen und schließen kann – sofern man auf die Nachtruhe der Gefangenen Rücksicht nehmen will.

Selbstverständlich beschwerten wir uns in regelmäßigen Abständen beim Anstaltsleiter über diesen nächtlichen Terror. Verändert hat sich dadurch aber nie etwas.

Schade, dass mir der Name Udo Vetter damals noch kein Begriff war. Ein paar freundliche Worte von außerhalb des Knastes hätten möglicherweise Wirkung gezeigt.

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